Alles rund um den Mund

“Hmm… Wann brauche ich den Mund? Na beim Reden… und beim Essen. Ich weiß von meiner Zahnärztin, dass ich mit den Zähnen knirsche. Als Kind war ich dauernd erkältet und irgendwann auch beim Logopäden.” - Hanna, 25 J.

 

Solche Antworten hören wir oft, wenn wir andere fragen, was sie eigentlich über den Mund wissen und wann das Thema wichtig ist. Euch geht es auch so? Dann seid ihr hier genau richtig!

Wir machen euch zu Mundexperten*innen!

Kommt mit auf die Reise in den Mund, denn egal, ob unsere Kinder sprechen lernen, ständig erkältet sind oder die erste Zahnspange bekommen, der Mund ist immer mit dabei.

Die Mundentwicklung

„Sich richtig ausdrücken können” – das wird von Kindern spätestens in der Schule erwartet und begleitet uns ein Leben lang. Den meisten von uns ist es wichtig, dass wir uns ‚richtig‘ ausdrücken können und der Mund ‘funktioniert’. Damit das aber klappt, muss sich der Mund von klein auf gesund entwickeln – das ist komplex und benötigt Zeit und Aufmerksamkeit. Übrigens: wusstet ihr, dass der Mund Primär- und Sekundärfunktionen hat? Das Sprechen ist quasi die Königsdisziplin und ist eng mit den Primärfunktionen verknüpft.

  • Primärfunktionen: Atmen, Saugen, Kauen, Schlucken
  • Sekundärfunktionen: Sprechen, Mimik

Die Zunge hilft beim Wachsen

Bei Kindern wächst der Körper, der Kopf und somit auch der Kiefer: hier spielt unsere Zunge eine wichtige Rolle und hilft dem Oberkiefer gesund zu wachsen! Die Zunge liegt im Ruhezustand im Mund oben am Gaumen und formt dadurch den Oberkiefer aus. Entwickelt sich der Oberkiefer gesund, haben auch die Zähne genügend Platz und können gerade wachsen. Ein paar Zahlen dazu findet ihr in unseren FAQs weiter unten.

Die gesunde Nasenatmung

Das Tolle ist: Die Nase leistet ganz wichtige Aufgaben, die uns schützen: sie reinigt die Luft, wärmt sie an und befeuchtet sie. Nur durch die Nase kann das Stickstoffmonoxid gebildet werden, was wir für eine gute Konzentration und einen gesunden Schlaf brauchen - besonders Kinder! Bei der Nasenatmung ist die Sauerstoffsättigung 10-15% höher als bei der Mundatmung, also: ab heute wird durch die Nase geatmet!

Die Mundatmung macht es Zähnen schwer

Was ist, wenn durch die ein oder andere Erkältung Kinder dauerhaft durch den Mund atmen? Ist der Mund offen, liegt die Zunge nicht mehr am Gaumen und der Gaumen kann nicht gesund wachsen, die Zähne haben keinen Platz mehr und die 'Tür' für alle Erreger in der Luft ist offen. Dann heißt es für die Mandeln: Ran an die Arbeit! Mehr darüber findet ihr in unseren FAQs weiter unten.

Die Folgen der Mundatmung können sein

  • mehr (Milchzahn-)Karies
  • stärkeres Speicheln
  • geröteter Rachen
  • Konzentrationsprobleme
  • stark vergrößerte Mandeln
  • Zahnfehlstellungen

Der erste Schritt sollte immer der Mundschluss sein, das heißt, die Kinder sollen durch die Nase atmen. Dieses tolle Video erklärt euch nochmal, warum.

Wer sich alles mit deinem Mund beschäftigt

HNO

Hals-Nasen-Ohren-Ärzte*innen behandeln die HNO-Erkrankungen der Kinder wie Erkältungen, Paukenergüsse,
Mittelohrentzündungen, etc. und können frühzeitig eine Mundatmung erkennen.
Je nach Fall entfernen oder verkleinern sie auch die Rachen- und/oder die Gaumenmandeln, was jedoch gut überlegt sein sollte.

Logopädie

Logopäden*innen arbeiten funktionell, zum Beispiel bei Sprech- und Schluckstörung. Sie entdecken oft die Mundatmung zuerst und behandeln diese auch funktionell, das heißt mit der Funktion selbst: das Schlucken wird beim Schlucken trainiert. Eine frühe Abklärung von Auffälligkeiten ist parallel zum Arztbesuch sehr ratsam, denn dort werden einzelne Funktionen, wie die Atmung, das Schlucken oder das Sprechen, nochmal genauer angeschaut.

Zahnheilkunde

Zahnärzte*innen können die Mundatmung, Karies, ein unphysiologisches Schluckmuster oder eine falsche Zahnputztechnik frühzeitig entdecken und ausreichend aufklären. Sie kommen oft in den Kindergarten, um dort bereits erste Anzeichen zu sehen und dann ggf. an den*die Logopäden*in oder an einen Kollegen zu verweisen.

Kieferorthopädie

Kieferorthopäden zaubern schöne, gerade Zähne… das ist zumindest das, was im Gedächtnis oft hängen bleibt. Die Hauptarbeit liegt jedoch in der frühen Erkennung und Behandlung von Kiefer- und Zahnfehlstellungen, wie bei einem Kreuzbiss oder einem offenen Biss. Sie können bereits früh anhand der Zahnstellung ungesunde Angewohnheiten, wie die Mundatmung, das Daumenlutschen oder häufiges Benutzen des Schnullers erkennen.

Pädiatrie

Kinderärzte*innen untersuchen die Kinder regelmäßig bei den Untersuchungen. Sie sind meist unter den Mundexperten die Ersten, die die Kinder genauer beobachten und somit erste Auffälligkieten feststellen können. In der U7a kurz vor Ende des 3. Lebensjahres wird die Sprache und auch die Kieferentwicklung untersucht. Hier sollten eine dauerhafte Mundatmung oder häufige Infekte bereits erkannt werden und ggfs. an den*die Logopäden*in oder an einen Kollegen verwiesen werden.

Kinderostheopathie

Kinderostheopathen*innen beschäftigen sich ebenso mit dem Mund – ganzheitlich und sanft. Sie gehen immer von der natürlichen Entwicklung aus und haben wie die Logopäd*innen das Ziel, das System in ein Gleichgewicht zu bringen. Sie behandeln unter anderem wiederkehrende Nasennebenhöhlen- und Mittelohrentzündungen, was die Voraussetzung für die Nasenatmung ist.

Dumme Fragen gibt es nicht - dafür hier gute Antworten!

Nur teilweise. Prof. Dr. Schopf stellte in einer Studie von 1980 fest: Lediglich 20,3 % der Zahnfehlstellungen sind vererbt. Stattdessen sind 44,3 % der Zahnfehlstellungen durch exogene (äußere) Einflüsse entstanden. Die exogenen Faktoren waren zum einen Frontzahnverluste durch Milchzahnkaries (22,5 %) und zum anderen Angewohnheiten (Habits) wie Daumenlutschen, dauerhaftes Atmen durch den Mund, auf die Lippen beißen, etc. (18,5 %). Folgen solcher Habits sind dann ein offener Biss und/oder ein zu schmaler Gaumen, sodass die Zähne nicht genügend Platz zum Wachsen haben

Spätere Folgen der Mundatmung können häufige Infekte, entzündete Mandeln, Artikulationsprobleme oder krumme Zähne sein. Laut dem Bundesverband für Logopädie e.V. weisen 13,5 % der 4 – 6 Jährigen Kinder eine Artikulationsstörung auf.
Quelle

Wusstet ihr, dass es nur EINEN Polypen (Rachenmandel genannt) und ZWEI Gaumenmandeln gibt? Die Mandeln gehören zum Team der Abwehr und versuchen, Viren und Bakterien fernzuhalten. Wenn sie in action sind, dann werden sie groß, rot und können auch schmerzen. Oft schaffen sie es, dass Eindringlinge nicht weiter kommen und sind daher sehr wichtig für die Gesundheit!

Kinderärzte (U-Untersuchungen), HNO-Ärzte, Logopäden, Heilpraktiker, Zahnärzte, Kieferorthopäden